Mein Name ist Farbourne 's Easy Rider T.Jay
und ich bin ein toller chocolade colour Labbi aus den Niederlanden.
Anfang Juni 2003 kam ich als Welpe zu meinem neuen Rudel nach
Wiesbaden. Da sind zum einen Petra und Matthias und zum anderen
mein treuster Spielkammerad Tim (7 Jahre). Angefangen haben
meine Alpträume damit das ich mit meinem linken Bein
plötzlich aus heiterem Himmel zu Humpeln begann. Mein
neues Rudel war darüber total schockiert, hatten sie
mich doch behütet wie einen Augapfel (Kein Hundespiel
mit anderen Hunden, nur kurze kleine Spaziergänge, keine
Treppen, in das Auto wurde ich rein.- und herausgehoben, kein
wildes Toben, richtig dosiertes Futter, etc.) um jegliche
Überbelastung zu vermeiden.
Mein Rudel informierte sofort meine Züchtereltern
über das Problem. Diese tippten auf eine Muskelentzündung
was sich leider nicht herausgestellt hat.
Bei mir mussten bereits im September 2003
(im jungen Alter von 5 Monaten) beide Ellenbogengelenke durch
eine Arthroskopie operiert werden. Am linken und rechten Ellenbogen
wurde durch
Röntgenaufnahmen
und Computertomographie
ED (
Ellenbogendysplasie)
festgestellt. Links und rechts
OCD
(sog. Knorpel-Ablösungen) und zusätzlich am linken
Ellenbogen noch ein
fragmentierter
Processus Coronoideus (
FPC).
Am linken Ellenbogen hatte es mich also noch schlimmer erwischt,
der Grund hierfür war das
unterschiedliche
Längenwachstum von Elle und Speiche (die war kürzer,
auch bekannt als short radius syndrome), es hatte sich somit
eine Stufe am Ellenbogengelenk gebildet.
Damit aber nicht genug meiner Pechsträhne, da ich ja
schon einmal den süssen Traum der Narkose genoss wurden
auch Röntgenbilder von meiner Hüfte gemacht. Der
behandelnde Gelenksspezialist, zudem ich bis heute uneingeschränktes
Vertrauen habe, schüttelte beim Anblick der Bilder nur
den Kopf und sagte leider liegt in meinem Fall auch noch eine
HD (
Hüftgelenkdysplasie)
vor.
Nun musste noch eine
Pectinectomie
(Operation wo beidseitig der Musculus pectineus entfernt wird)
durchgeführt werden, die Operation empfiehlt sich bei
jungen Hunden meinen Alters um spätere massive Hüftprobleme
zu vermeiden. Bei dieser Operation soll die Biomechanik des
Gelenkes in soweit verbessert werden, indem durch entfernen
des Musculus pectineus der Femurkopf tiefer in die Gelenkpfanne
hereinrutscht.
Die Schonphase
Nach der quasi rundum Erneuerung war dann für mich erst
einmal absolute Schonung für 8 Wochen angesagt. Wie ihr
euch vorstellen könnt, fand ich das weniger witzig, da
ich über einen ausgeprägten Spieltrieb verfüge.
Das ganze Rudel war nun gefordert mich bei Laune zu halten
und mich so gut es ging sinnvoll zu beschäftigen, hätten
sie das nicht gemacht, ich glaube ich wäre völlig
ausgerastet. Nur gut das es das Internet gibt, dort konnten
sich Frauchen und Herrchen mit anderen Leidensgenossen austauschen
und so wertvolle Spielideen (
Activity
Tips) für mich sammeln. Das war echt eine ganz miese
Zeit für uns alle, aber damit noch nicht genug...!
Der Alptraum 2. Kapitel
So jetzt hatte ich endlich die 8 Wochen überstanden,
wobei ich zugeben muss, ich habe es zwischenzeitlich selbst
bemerkt, irgend etwas stimmte noch nicht mit meinem linken
Ellenbogen und es musste kommen wie es kommen muss. Die Schonphase
wurde nach vorheriger Untersuchung bis Ende 2003 verlängert,
echt super toll, ich hätte mir nichts bessers wünschen
können. Irgendwie schafften wir es letztendlich auch
diese schlimme Zeit mit vereinten Kräften zu meistern,
doch es sollte noch schlimmer kommen....
Auch nach der verlängerten Schonphase humpelte ich
noch ab und zu auf der linken Seite. Nun wollte ich Klarheit
und ich drängte mein Rudel zu einer weiteren kompletten
Untersuchung. Es wurden erneut Röntgenaufnahmen gemacht
und zusätzlich eine Computertomographie. Es wurde festgestellt
das sich das unterschiedliche Längenwachstum zwischen
Elle und Speiche nicht amortisiert hat und eine Stufenbildung
von ca. 1,3 mm vorhanden war. Der behandelnde Spezialist
erklärte es mit den Worten:
Elle und Speiche müssen exakt zum Gelenk passen, ansonsten
wäre das so als wenn man einen Schuh anzieht der nicht
passt. Auf beiden Knochen wirkt ein sehr grosser Druck ein,
der sich bei einer normalen Gelenksentwicklung gut verteilen
kann.
Was meinte er damit, was bedeutet das?
Die Wachstumsfugen waren bei mir zu diesem Zeitpunkt bereits
geschlossen, so dass keine Hoffnung bestand, das dieser
Unterschied sich noch angleicht. Man riet meinem Rudel und
mir zu einer Längenangleichung über einen chirurgischen
Eingriff. Für mich persönlich ging die Welt unter,
welch ein Tal der Tränen...!
Das einzig positive an diesem Tag war, dass der geplante
OP-Termin erst Ende Januar stattfinden sollte und ich und
meine Familie noch genügend Zeit hatte, weitere Meinungen
von Spezialisten einzuholen.
Es begannen nächtelange Internetrecherchen zu diesem
Thema bis zur völligen Erschöpfung, darüber
hinaus wurden die Röntgenaufnahmen von mir an verschiedene
unabhängige Gelenksspezialisten zur Begutachtung geschickt.
Die Antworten in meinem Fall waren leider eindeutig und
somit stand die nächste Operation für mich an.
Die Längenangleichung
30.01.2004 der Tag der Operation, ich war ganz schön
nervöus und auch meiner Familie merkte man die Anspannung
an. Der Arzt beruhigte mich und meine Familie erstmal und
erklärte uns nochmal genau wie die Operation ablaufen
sollte:
Als erstes wird der Radius (Speiche) im 45 Gradwinkel durchtrennt,
anschließend wird mit einer speziellen Zange die Speiche
durch das Zusammendrücken auf die fehlende Länge
gebracht. Das Ganze wird dann über eine kleine Metallplatte
fixiert, um auch die nötige Stabilität zu gewährleisten
(So wie auch bei Menschen mit komplizierten Brüchen
verfahren wird). Nach einiger Zeit wächst der Knochen
wieder richtig zusammen, so dass die kleine Metallplatte
wieder entfernt werden kann.
Die Operation verlief sehr gut und man konnte auf den Kontrollröntgenaufnahmen
jetzt schön sehen, das alle am Ellenbogengelenk beteiligten
Knochen von der Mechanik her richtig zusammenpassten. Ich
bekam einen dicken Verband verpasst (siehe
Gallery), mit dem ich am Anfang überhaupt nicht
zurecht kam und der absolute Schock für mich war wieder
diese Schonphase und diesmal für 3 Wochen eine absolute
Ruhigstellung, es war der absolute Horror, ich bekam ein
spezielles Brustgeschirr und musste bei jedem Schritt von
meinem Herrchen gestützt werden, das war ernorm wichtig,
denn wenn ich gestolpert oder gestürzt wäre, bestand
die Gefahr das der Knochen bricht. Nachdem wir die 3 Wochen
dann endlich überstanden hatten, dachte ich ich müsse
Frauchen und Herrchen auch zu meinem Spezialisten bringen,
denn sie waren auch schon fast reif für eine Operation.
Gut war das wir die strikte Ruhigstellung dann wieder etwas
lockern konnten aber wie gesagt nur etwas.
Physiotherapie
Durch die langen Schonphasen hatte ich mächtig an
Muskelmasse eingebüsst und auch die gesamte Beweglichkeit
liess zu wünschen übrig. Ich dachte mir andere
Leute gehen ins Fitnesstudio da gehe ich mal zur Physiotherapie
und lasse es langsam angehen. Dort bekam ich anfangs Massagen
und nach ein paar Wochen durfte ich auf das Unterwasserlaufband
zum Schwimmtraining. Wasser liebe ich ja über alles
und das hat sogar viel Spass gemacht. Die Massagen sind
erste Sahne, ich kann es nur jedem empfehlen und ich konnte
Frauchen überreden eine private Therapheutin zu engagieren,
die bis heute extra zu mir nach Hause kommt.
Nach dieser Aufbauphase konnten wir die Spaziergänge
wieder langsam steigen, aber immer an der Leine. Mittlerweile
hat sich meine Situation wesentlich verbessert, ich kann
wieder ganz normal laufen, wobei ab und an im Trab noch
ein Schonen erkennbar ist.
Offenes Ende
Schade meine Welpenzeit ist nun vorbei und sie war ausschliesslich
geprägt von Operationen und Schonphasen. Ich und mein
Rudel hoffen das all die Massnahmen mir langfristig ein
normales Hundeleben ermöglichen. Wir hatten am 01.06.2004
nochmal eine Kontrolluntersuchung bei dem Gelenksspezialisten
und es gab keinerlei Beanstandungen, juhu juhu. Mittlerweile
kann ich grosse Spaziergänge machen und mit meinem
Rudel ein wenig toben ohne zu humpeln.
Drückt mir die Daumen und alle Pfoten das es noch lange
lange so bleibt???
Euer T.Jay (Juni 2004)