ED / HD
|Ellenbogengelenksdysplasie|Anatomie|IPA|OCD|FPC|Ellbogeninkongruenz|Diagnostik|Prophylaxe|Therapie|
|Hüftgelenksdysplasie|HD?|Entstehung|Symptome|Diagnose|Maßnahmen|
Ellenbogengelenksdysplasie (ED)
Die Bezeichnung Ellbogengelenksdysplasie
fasst vier verschiedene Erkrankungen, die aufgrund von Entwicklungsstörungen
zu Veränderungen und Mißbildungen des Ellbogengelenkes
führen, unter einem Begriff zusammen:
-Isolierter Processus anconeus (IPA)
-Osteochondrosis dissecans (OCD)
-Fragmentierter Processus coronoideus (FPC)
-Ellbogeninkongruenz
Besonders betroffen sind große und sehr große
Rassen (Labrador, Rottweiler, Golden Retriever, Deutscher
Schäferhund, Chow Chow), wobei die Symptome meist im
Alter von 4 bis 10 Monaten beginnen.
Neben genetischen Komponenten spielen energiereiches Futter,
starkes Wachstum und rasche Gewichtszunahme bei der Entwicklung
der Erkrankung eine wichtige Rolle. Daher sollte auf eine
gute Zucht (keine Zucht mit betroffenen Tieren und Tieren,
die erkrankte Welpen geboren haben), sowie adäquate Ernährung
und Gewichtskontrolle geachtet werden.
Bei der klinischen Untersuchung lassen sich
je nach Erkrankung folgende Befunde erheben:
Die erkrankten Hunde zeigen häufig eine Auswärtsstellung
der Vorderpfoten, die Ellbogengelenke werden eng am Körper
gehalten. Tritt eine Lahmheit auf, ist diese anfangs intermittierend,
stärker nach Ruhe und/oder Belastung und verstärkt
sich im weiteren Krankheitsverlauf oft bis zur hochgradigen
Lahmheit. Bei längerer Krankheitsdauer kann sich eine
Muskelatrophie der Oberarmmuskulatur entwickeln. Die Gelenke
sind vermehrt gefüllt und schmerzhaft bei Manipulation
(passiver Bewegung und Druck). Bestehen schon erhebliche Arthrosen,
können Reibegeräusche hörbar sein und Bewegungseinschränkungen
des Gelenkes vorhanden sein.
Anatomie
Das Ellbogengelenk, ein sogenanntes Scharniergelenk,
besteht aus drei verschiedenen Knochenanteilen. Die proximale
Gelenkfläche wird von der Gelenkwalze des Oberarms gebildet.
Diese wird vom oberen Anteil der Elle umfasst, die eine halbmondförmige
Aussparung aufweist, wobei sie im oberen Teil den Processus
anconeus als zapfenförmigen Fortsatz aufweist und nach
unten in einem außen gelegenen kleineren Processus coronoideus
lateralis und innen in einem größeren Processus
coronoideus medialis (innerer und äußerer Kronfortsatz)
ausläuft. Diese beiden unteren Fortsätze umgreifen
wiederum den Radiuskopf, dessen Gelenkfläche ca. 80%
des Körpergewichtes trägt (die beiden Processus
coronoidei zusammen übernehmen ca. 20 %).
Isolierter Processus anconeus (IPA)
Bestimmte Knochenabschnitte, wie der Proc.
anconaus (der stärkste Knochenvorsprung des Ellenbogengelenks),
sind mit der Geburt nicht knöchern mit dem Ulnaschaft
verbunden, sondern entwickeln erst nach einigen Monaten Wachstum
eine knöcherne Verbindung. Unterbleibt diese nach 5 Monaten
spricht man vom isolierten Processus anconeus. Ein chirurgischer
Eingriff ist zur Entfernung des Proc. anconeus, bzw. Korrektur
nötig.
Osteochondrosis Dissecans (OCD)
Die Osteochondrosis dissecans im Bereich
des innen gelegenen Abschnittes der Gelenkwalze des Oberarms
stellt eine Störung der enchondralen Ossifikation dar.
Das Wachstum der Röhrenknochen erfolgt, sowohl im Bereich
der Gelenkflächen als auch an den Wachstumsfugen, zunächst
in Form von Knorpelzellen, die dann später verkalken
und in Knochenzellen umgewandelt werden. Die Knorpelzellen
im Bereich der Gelenkflächen werden durch Diffusion der
Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit ernährt.
Wird die Knorpelschicht infolge einer zu hohen Wachstumsgeschwindigkeit
(zu langsame Verknöcherung) zu dick, führt dies
zum Absterben von Knorpelzellen an der Grenze zum Knochen.
Zusätzliche mechanische Beanspruchung stellt einen weiteren
Faktor dar, so dass Risse und Fissuren im Gelenkknorpel entstehen
und sich teilweise ganze Schuppen ablösen. Als Folge
gelangt Gelenkflüssigkeit in Kontakt mit dem unter dem
Knorpel gelegenen Knochen und den abgestorbenen Knorpelzellen.
Eine Entzündungsreaktion wird hervorgerufen, die eine
vermehrte Gelenkfüllung, Dehnung der Kapsel, Schmerz
und damit Lahmheit bewirkt. Abgelöste Knorpelschuppen
verbleiben in der Regel an ihrem Platz, können aber auch
als freie Gelenkkörper im Gelenk gefunden werden.
Fragmentierter Processus coronoideus (FPC)
Der Processus coronoideus medialis verknöchert
bei Hunden großwüchsiger Rassen erst im Alter von
vier bis fünf Monaten. Bis zu diesem Zeitpunkt ist er
sehr empfindlich gegenüber jeglicher Überbelastung.
Kommt es zu einer Stufenbildung im Ellbogengelenke durch unterschiedliches
Längenwachstum von Elle (Ulna) und Speiche (Radius),
kann es, bei einer längeren Elle, zur Überbelastung
des Processus coronoideus medialis kommen, so dass dieser
partiell von der Elle abbricht. Auch wenn die Aussparung in
der Elle, die den Oberarm umfasst, zu "eng" ist,
kommt es durch eine Gewichtsverlagerung der Gelenkwalze nach
vorn zur Stressfraktur des Fortsatzes. Im Falle einer Fraktur
(Bruch) dringt Gelenkflüssigkeit in den Bruchspalt ein,
wodurch wieder ein Entzündungsprozess in Gang gesetzt
wird. Zusätzlich zur klinisch sichtbaren Lahmheit führen
beide Erkrankungen zur Entstehung sekundärer Arthrosen,
welche die Nutzbarkeit des Hundes in seinem weiteren Leben
erheblich beeinträchtigen können. FCP und OCD treten
bei vielen Hunden an beiden Vordergliedmaßen auf. Somit
bedarf es oft eines zusätzlichen Traumas (mechanischer
Einwirkung) an einem der beiden Vordergliedmaßen, bis
der Hundehalter an dem stärker schmerzhaften Bein eine
Lahmheit erkennen kann. Zu diesem Zeitpunkt haben die Hunde
oft schon ein Alter von 10 bis 14 Monaten erreicht, und die
Arthrosen sind entsprechend weit fortgeschritten. Untersuchungen
in Schweden, Norwegen und England haben ergeben, dass bei
beiden Erkrankungen eine genetische Disposition vorliegt.
Durch eine Anpaarung von Hunden ohne FCP und/oder OCD bzw.
ohne Arthrose konnte die Häufigkeit der Erkrankung deutlich
herabgesetzt werden (ähnlich wie bei der Hüftgelenksdysplasie).
Ellbogeninkongruenz
Durch Fehlentwicklung und Wachstumsstörungen kommt
es zu einer Asynchronität im Wachstum von Radius und
Ulna und somit zu einer Inkongruenz des Gelenkes mit stärkerer
Arthrosenbildung. Durch Fehlbelastung kann daraus ein fragmentierter
Processus coronoideus (FPC) resultieren. Neben Bewegungseinschränkung
ist eine Längenkorrektur und Angleichung beider Knochen
durch einen chirurgischen Eingriff wichtig.
Diagnostik
Eine wichtige Rolle bei der Diagnostik und Differenzierung
der verschiedenen Ellbogengelenkerkrankungen kommt der radiologischen
Untersuchung zu. Dazu ist eine hohe Aufnahmequalität
von großer Wichtigkeit, da besonders im Anfangsstadium
der Erkrankung die Röntgenveränderungen sehr diskret
sein können und eine genaue Betrachtung der Aufnahmen
erforderlich ist. Es sollten immer, auch bei einseitiger
Lahmheit, beide Ellbogengelenke geröntgt werden. Zur
exakten radiologischen Darstellung des Ellbogengelenkes
existiert eine große Anzahl von unterschiedlichen
Röntgenprojektionen, bei denen jeweils unterschiedliche
Gelenkabschnitte besonders hervorgehoben werden. Eine weitere
Möglichkeit bietet die Anfertigung von Schichtaufnahmen.
Während man die Osteochondrosis dissecans in der Regel
direkt durch Röntgenaufnahmen nachweisen kann, ist
dies bei Brüchen im Bereich des Kronfortsatzes nur
selten möglich. Zum radiologischen Nachweis eines FCP
ist man meistens auf die Interpretation sekundärer
Veränderungen angewiesen. Das Ziel ist es, die Erkrankung
vor dem Auftreten massiver Arthrosen zu diagnostizieren.
Prophylaxe
Für IPA, FCP und OCD sind genetische Dispositionen
(ähnlich wie bei der Hüftgelenksdysplasie) nachgewiesen.
Die Manifestation der Erkrankung oder ihr Schweregrad können
durch eine Verbesserung der Haltungsbedingungen beeinflusst
werden. Dazu gehören vor allem Fütterung und Bewegung.
Wenn die Hunde älter als drei Monate sind, dürfen
sie nicht "überfüttert" werden (zu hoher
Gesamtenergiegehalt; Rohprotein sollte 22 bis 25% betragen),
und das Zufüttern von Mineralstoff- und/oder Vitaminpräparaten
sollte, außer bei nachgewiesenen Mangelzuständen,
unterbleiben. Die "kontrollierte" Fütterung
wird die Endgröße der Tiere nicht beeinflussen
sondern zu einer langsameren, gleichmäßigeren
Wachstumsgeschwindigkeit führen und damit das Risiko
für die Manifestation von "Wachstumserkrankungen",
die im Alter von drei bis sieben Monaten auftreten, herabsetzen.
Für die frühzeitige Diagnose ist es wichtig, lahmende
junge Hunde prädisponierter Rassen einer genauen Untersuchung
zu unterziehen (klinisch und radiologisch). Sind bei Hunden
im Alter von vier bis fünf Monaten noch keine Röntgenveränderungen
im Ellbogengelenk zu finden, müssen vier bis sechs
Wochen später unbedingt Kontrolluntersuchungen durchgeführt
werden!!! Da nachgewiesen ist, dass FCP/OCD erbliche Erkankungen
sind, besteht das Ziel darin, ihr Auftreten durch Selektion
in der Zucht zu verhindern. 1989 wurde die IEWG (International
Elbow Working Group) gegründet, der spezialisierte
Tierärzte verschiedener Länder, aber auch andere
Mitglieder angehören. Ihr Ziel ist es, die erblichen
Ellbogengelenkerkrankungen nach einem international einheitlichen
Screening zu erfassen, ihre Häufigkeit zu ermitteln
und die erhobenen Daten statistisch auszuwerten. Da zur
Diagnose von OCD/FCP viele verschiedene Röntgenprojektionen
gefordert werden, ein Verfahren, das sich für Reihenuntersuchungen,
ähnlich dem HD-Röntgen nicht eignet (z. B. aus
finanziellen Gründen), wurde als Standardaufnahme pro
Ellbogen je eine mediolateral-gebeugte Projektion im Winkel
von ca. 45° gefordert. Manche Gutachter verlangen zusätzlich
eine craniocaudale Aufnahme. Mit diesen Aufnahmen, die im
Alter von mindestens einem Jahr angefertigt werden sollen,
werden die sekundär entstehenden arthrotischen Veränderungen
in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt. Die Ergebnisse
dieser Untersuchungen sollten allen Interessierten (z. B.
Tierärzte, Züchter, Genetiker) zur Verfügung
stehen, so dass Informationen über den Status der Ellbogengelenke
einer Hündin/eines Rüden vor der Belegung verfügbar
sind. In skandinavischen Ländern, wo solche Zuchtprogramme
schon seit vielen Jahren durchgeführt werden, werden
Hunde mit Arthrosen am Ellbogengelenk nicht automatisch
von der Zucht ausgeschlossen, aber die Züchter nutzen
die Möglichkeit, mit den zur Verfügung stehenden
Daten, nicht betroffene Hunde in der Zucht zu bevorzugen.
Bereits dadurch konnte die Inzidenz von FCP und OCD deutlich
herabgesetzt werden.
Therapie
Währen OCD-Defekte ohne Schuppenbildung oder freie
Gelenkmäuse bei strikter Ruhe und Futterumstellung
ausheilen können, besteht bei größeren Läsionen
oder dem Vorliegen von Knorpelschuppen nur die Möglichkeit
der operativen Entfernung der Dissekate und des Auskratzen
des Dissekatbettes. Auch beim FCP sollte die operative Therapie
mit Exstirpation des abgebrochenen Knorpel-Knochenstückes
möglichst frühzeitig vorgenommen werden.
Quelle: Dr.J.-F.Salomon / Frau Dr. Sigrid
Schleich
Hüftgelenksdysplasie
Das Wort Dysplasie stammt aus dem Griechischen
und setzt sich aus den beiden Worten dys = schlecht und plasia
= Formgebung zusammen. Die Hüftgelenkdysplasie des Hundes
ist eine erblich bedingte Fehlbildung des Hüftgelenks,
bei der die Hüftgelenkpfanne und der Oberschenkelkopf
nicht aufeinander abgestimmt sind. (Löffler, 1990)
Bei der HD handelt es sich um eine genetisch
beeinflusste Fehlentwicklung der Hüftgelenke (vorrangig
bei mittelgroßen bis großen Rassen), an deren
Ausbildung mehrere Gene beteiligt sind (= polygenetische Vererbung).
Deshalb gibt es viele unterschiedliche Abstufungen an Schweregraden
. Der Grad der Ausprägung kann auch durch Äußere
Faktoren (Bewegung, Fütterung) beeinflusst werden.
Gelenkschäden können auch dann
auftreten, wenn die Gelenkform zwar korrekt ist, der Gelenkschluss
(=Sitz des Kopfes in der Pfanne) aber ungenügend ist.
Gründe hierfür sind zu schlaffe Bänder oder
Gelenkkapseln. Der Grad der Schädigung und damit der
folgenden Arthrose ist abhängig von der Fehlbildung,
aber auch von der Skelettbelastung.
Mehrere Autoren gehen davon aus, dass die
HD bei allen Hunderassen vorkommt. Die Verbreitung ist jedoch
bei den einzelnen Rassen sehr unterschiedlich.
So neigen schnell wüchsige, große
Hunderassen eher zur HD als kleinere und leichtere Rassen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede konnten nicht nachgewiesen
werden.
Weil die HD leider immer noch vielfach als
nicht therapierbar gilt, ist dieDiagnose oftmals niederschmetternd.Man
sieht sich mit dramatischen Krankheitsverläufen und letztendlich
mit einer drohenden Euthanasie seines Hundes konfrontiert.
Obwohl in den letzten Jahren Züchter
und Verbände durch verschärfte Selektionsmaßnahmen,
Zuchtausschlüsse und Veränderung der Rassestandards
versucht haben die HD zu reduzieren, ist sie leider immer
noch ein weit verbreitetes Erkrankungsbild.
Was ist eine HD
Unter einer Hüftgelenkdysplasie versteht
man eine Fehlbildung der Hüftgelenke. D.h. dassOberschenkelkopf
und Gelenkpfanne nicht korrekt aufeinander passen. Die Fehlbildung
tritt meistens beidseitig auf und kann unterschiedlich ausgeprägt
sein.
Weil in einem dysplastischen Hüftgelenk
nicht alle Teile gleichmäßig beansprucht werden,
kann es zu entzündlichen und degenerativen Veränderungen
kommen.
So können knöcherne Neubildungen
den Gelenkspalt verkleinern oder verschließen und zu
einer vollständigen Versteifung des Gelenks führen.
Der hyaline Gelenkknorpel, der ein reibungsarmes Gleiten ermöglicht,
wird zunächst durch Mikrofrakturen (feine Risse) geschädigt.
Sogenannte Chondrozyten sorgen für eine vermehrte Einlagerung
von Wasser im Knorpel. Im weiteren Verlauf kommt es zu Knorpelschwund
und Knorpelneubildung in den Randbezirken des Gelenks und
die Erkrankung kann in den chronisch degenerativen Zustand
einer Arthrose übergehen. Diese ist durch eine hohe Schmerzhaftigkeit
und einer Einschränkung der Gelenkfunktion gekennzeichnet.
Bei stark abgeflachten Gelenkpfannen kann
es zu Luxationen (Verrenkungen) bzw,. Subluxationen kommen,
bei denen die Gelenkköpfe teilweise oder ganz aus der
Pfanne springen und wieder eingerenkt werden müssen.
( nach T. Marziniak)
Eine HD entwickelt sich in den ersten 15
Monaten im Leben eines Hundes, später verändert
sich nur noch das Ausmaß einer Arthrose. Junge Hunde
mit ausgeprägter HD zeigen Schmerzen als Folge der unüblich
starken Lockerheit der Hüftgelenke. Bei älteren
überwiegen die Schmerzen als Folge der Abnützung
(Arthrose). Bei leichteren Formen der HD können Krankheitshinweise
fehlen, solange der Hund nicht stark beansprucht wird.(PD
Dr. M. Flückiger, HD Komission Zürich)
Entstehung der HD
Die Entwicklung der Hüftgelenke wird
hauptsächlich durch zwei Faktoren beeinflusst: durch
die Erbanlage und die Ernährung.
Bei der HD handelt es sich um eine sog. Additive
Vererbung, bei der ein Merkmal um so stärker auftritt,
je mehr Gene für diese Eigenschaft vorhanden sind, sich
also addieren.
Auch gesunde Tiere können defekte Gene
tragen, die nur knapp unter dem Schwellenwert liegen.
Bei einem Hund mit der Veranlagung zu HD
ist es möglich, durch eine kalorienmäßig zurückhaltende
und ausgewogene Ernährung das Ausmaß der Krankheit
zu mildern. Es ist erwiesen, dass Hunde die langsam wachsen,
weniger schwer an HD erkranken als ihre schnell wachsenden
schwereren Wurfgeschwister. Als häufigste Ernährungsfehler
sind falsche Calcium/Phosphorverhältnisse und zu hohe
Eiweißanteile zu nennen.
Eine weitere Ursache kann die Überforderung
eines Welpen durch kilometerlange Spaziergänge, übermäßiges
springen und überklettern von Hindernissen oder durch
das Laufen am Fahrrad sein.
Außerdem sollten auch unphysiologische
Ausstellungsstandards (z.B. stark abfallende Rückenlinie)
kritisch überdacht werden.
Auch hormonelle Störungen werden von
einigen Autoren als einen kausalen Faktor für die HD
erwähnt. Ebenfalls werden Vitaminüber- bzw. unterversorgung
diskutiert.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die
Ursachen dieser Erkrankung noch nicht eindeutig geklärt
sind. Als gesichert gilt jedoch, dass die HD polygen vererbt
wird und die phänotypische Ausprägung [Erscheinungsbild]
von genetischen und umweltbedingten Faktoren abhängt.
(Linneman, 1999..)
Symptome der HD
Die Symptomatik der HD ist sehr vielgestaltig.
Neben völliger Beschwerdefreiheit werden alle Grade von
Bewegungsstörungen bis zur hochgradigen Hinterhandlahmheit
beobachtet.
Folgende Symptome und Befunde können bei einer HD auftreten:
- Mühsames Aufstehen
- Beschwerden bei den ersten Schritten nach einer Ruhepause
(Anlaufschmerz)
- schwankender, wackeliger Gang
- subluxieren der Hüften bei jedem Schritt
- leichtes Nachziehen der Hintergliedmaßen mit Abschleifen
der Zehenkrallen
- verkürzte Schrittlänge der Hinterextremitäten
- frühes Antraben zur Vermeidung schnellen Gehens
- ruckartiges Anheben der Hintergliedmaßen (Hahnentritt
ähnlicher Gang)
- vorne Trab, hinten Galopp
- gleichzeitiges Fußen beider Hinterpfoten im Galopp
zur Verminderung der Bewegung des schmerzhaften Hüftgelenks
- schnelles Ermüden
- Belastungsschmerz
- erschwertes Treppensteigen
- Ausgleiten auf glattem Boden
- Umfallen beim Kurvenlaufen
- unwilliges, erschwertes Springen
- Hinterbeinlahmheit
- verlangsamtes sich Setzen und Hinlegen
- verminderter Bewegungsdrang
- schmerzbedingte Aggressivität
- häufiges Liegen
- asymmetrische Sitzposition ( schmerzhafte Gliedmaße
werden zur Seite gestellt )
- unwilliges längeres Stehen ( Hund bevorzugt Sitzen
oder Liegen)
- im Stand Entlastung der Hinterextremität
- geduckte Haltung der Hinterhand
- unterständige Stellung der Hintergliedmaßen
- Stehen mit gekrümmten Rücken zur Gewichtsverlagerung
auf die Vorderhand
- Unverhältnismäßiges Vorderteil bei schwach
entwickelten Hinterteil
- Muskelatrophie (Muskelschwund) im Kruppen- und Oberschenkelbereich.
- Schmerzhafte Einschränkung der passiven Beweglichkeit
( Schmerzen bei Extension, Rotation, Abduktion, später
Aduktion)
Man unterscheidet zwei Phasen der HD, die
akute und die chronische HD. In der akuten Phase lassen die
Hunde das Vorhandensein von Hüftgelenksschmerzen während
der Wachstumsphase (zwischen 5 und 8 Monaten) erkennen. Als
mögliche Ursache der in diesem Alter auftretenden Schmerzsymptome
nennen einige Autoren Mikrofrakturen des dorsalen Acetabulumrandes
(Gelenkpfannenrand). Sie entstehen durch den Druck des subluxierten
Femurkopfes auf den noch nicht ausreichend verknöcherten
Acetabulumrand. Der Schmerz entsteht durch die Spannung und
Zerrung der Periostnerven. Mit Heilung der Mikrofrakturen
(8 bis 11. Monat) klingen die Beschwerden wieder ab. Auch
eine Dehnung der Gelenkkapsel kann eine mögliche Ursache
für die Beschwerden sein, bis die Kapsel sich hieraufhin
verstärkt und die Dehnung einschränkt. Auch durch
eine verstärkte Kontraktion (Zusammenziehen) der Muskeln,
die das lockere Hüftgelenk dadurch zu stabilisieren versuchen,
kommt als Schmerzauslöser in Frage.
Unabhängig vom Grad der HD sind die
meisten dysplastischen Hunde im Alter von 12 bis 14 Monaten
Beschwerdefrei, zu dieser Zeit stabilisieren sich die Hüftgelenke.
Bei manchen Hunden verschwinden die Symptome sogar ganz.
In der chronischen Phase der HD sind die
Schmerzzustände des erwachsenen Hundes durch die Sekundärarthrose
bedingt. Diese kann erhebliche Schmerzen und Funktionsstörungen
(eingeschränkte Gelenkbewegung) hervorrufen. In den meisten
Fällen wird die HD erst dann klinisch manifest. Die Schmerzen
treten typischerweise nach einer längeren Ruhephase auf
als sog. Anlaufschmerz sowie nach längerer bzw. stärkerer
Belastung als Belastungsschmerz. Außerdem bewegen sich
die Hunde bei schnellem Lauf oft hasenartig (bunny-hop) fort,
um das schmerzhafte Hüftgelenk zu schonen.
Oft sind die Beschwerden witterungsabhängig
und können sich durch Kälte oder Nässe verschlimmern.
Erwähnenswert ist die Tatsache, dass
die Symptome nicht unbedingt vom röntgenologischen Schweregrad
einer HD abhängig sind. So kann eine geringgradige Arthrose
starke Schmerzen verursachen, während eine schwere Gelenkszerstörung
nur minimale Beschwerden bereitet!
Die Gelenkdegeneration kann für den
Hund lange Zeit schmerzfrei bleiben (lat. Arthrose). Weil
der Knorpel keine Schmerzrezeptoren enthält, kann der
Abrieb nicht als solcher empfunden werden. Die hierbei frei
werdenden Abbauprodukte können jedoch zu einer Entzündung
der Gelenkkapsel führen. Hierdurch wird die Arthrose
schmerzhaft (aktivierte Arthrose).
Durch die im Verlauf einer HD entstehenden
Bewegungseinschränkung, wird die Muskulatur im Bereich
des Hüftgelenks atrophisch (zurückgebildet). Zur
gleichen Zeit hypertrophiert (Muskelzuwachs) die Schultermuskulatur
da der Hund sein Gewicht wegen der Hinterhandbeschwerden nach
vorne verlagert.
Der Verlauf der HD hängt primär
mit der Schwere der Gelenkveränderungen und der Beanspruchung
des erkrankten Gelenks durch Bewegung und Gewicht ab. Außerdem
können Alter, Größe und die Bemuskelung der
Hinterhand den Krankheitsverlauf stark beeinflussen.
Kleinere Rassen zeigen oftmals wegen ihrer
geringeren Größe weder die frühen akuten klinischen
Symptome, noch die durch die sekundäre Arthrose verursachten.
Diagnose der HD
Eine gesicherte Diagnose ist ausschließlich
nur durch eine röntgenologische Untersuchung möglich.
Um eine einheitliche Bewertung der HD- Röntgenaufnahme
zu gewährleisten, sind sog. HD- Zentralen eingerichtet
worden, bei denen auf HD spezialisierte Tierärzte die
Beurteilung der standardisierten Röntgenaufnahmen vornehmen.
Für die verschieden Rassen gibt es in Deutschland spezielle
Auswertungszentralen um die Rassebesonderheiten zu berücksichtigen.
Für die offizielle HD-Röntgenuntersuchung
wird im deutschsprachigen Raum bei den meisten Rassen ein
Mindestalter von 12 Monaten verlangt. Bei großen, schweren
spätreifen Rassen ( Bernhardiner, Dogge, Molosser ) beträgt
das Mindestalter 13 - 18 Monate.
Zur Bewertung der Röntgenaufnahme ist
eine genau definierte Lage des Hundes erforderlich. Es haben
sich zwei verschiedene Lagerungen etabliert: Position I in
gestreckter Haltung und Position II in gebeugter Haltung.
Eine solche Lagerung ist im Normalfall nur mit sedierten (beruhigten)
bzw. narkotisierten Hunden möglich.
Zu erwähnen ist noch die Winkelmessung
nach Norberg, um besonders geringgradige dysplastische Veränderungen
objektiv diagnostisieren zu können, sie dient als Entscheidungshilfe
zur Beurteilung des HD- Grades im Röntgenbild.
Der amerikanische Tierarzt Schnelle (1954)
teilte als erster die röntgenologisch feststellbaren
Veränderungen des Hüftgelenks in vier Schweregrade
ein:
Grad 1 - leicht = Der Oberschenkelkopf sitzt nicht korrekt
in der Gelenkpfanne.
Grad 2 - mittel = Die Gelenkpfanne stellt sich mäßig
abgeflacht dar.
Grad 3 - schwer = Die Gelenkpfanne erscheint flach und der
Oberschenkelkopf zeigt eine Subluxationsstellung.
Grad 4 - sehr schwer = Der Oberschenkelkopf ist luxiert.
Ein Problem stellt eine einheitliche Definition,
Erfassung und Auswertung der HD dar, da sich die Erkrankung
mit nicht unerheblichen Variationen zeigt. Der F.C.I. ( Federation
Cynologipue Internationale) hat in diesem Zusammenhang 1978
und 1983 für internationale Zertifikate Kriterien zur
Anfertigung von Röntgenaufnahmen und deren Beurteilung
erarbeitet.
Das Klassifizierungsschema für den Grad
der Erkrankung sieht danach folgende Einteilung vor:
1. Kein Hinweis auf HD
2. Übergangsform (verdächtig für HD)
3. Leichte HD (I. Grad)
4. Mittlere HD (II. Grad)
5. Schwere HD (III. und IV Grad)
Anzumerken bleibt, dass auch dieses Klassifizierungsschema
unter den verschiedenen Autoren umstritten ist.
Präventive Maßnahmen
Die HD ist nicht heilbar, es ist jedoch möglich,
durch eine Vielzahl von therapeutischen Maßnahmen die
degenerativen und entzündlichen Prozesse im Gelenkbereich
positiv zu beeinflussen.
Das Therapieziel ist, die fortschreitenden
degenerativen Prozesse im Gelenk zu hemmen, die Stoffwechselprozesse
an Knochen, Knorpel, Sehnen und Bändern zu fördern
und die schmerzfreie Bewegungsfähigkeit zu erhalten.
Auch der Muskelaufbau sollte durch spezielles Training gefördert
werden.
Ein Übergewicht sollte bereits beim
Welpen unbedingt vermieden werden, denn dies fördert
den frühen Verschleiß der Gelenke. Bei übergewichtigen
Hunden sollte eine kontrollierte Diät erfolgen.
Regelmäßige Bewegung stärkt
den Muskel- und Bänderapparat, dieser kann die erkrankten
Gelenke wirkungsvoll entlasten. Außerdem wird nur bei
Belastung die sog. Synovialflüssigkeit in die Knorpel
gepresst, und dieser mit den notwendigen Nährstoffen
versorgt. Springen, plötzliches Abbremsen, Hakenschlagen
und Aufstellen auf die Hinterläufe sollten so weit wie
möglich vermieden werden. Dies fördert den Abrieb
am Gelenkkopf. Ebenso müssen Überlastungen vermieden
werden.
Bei der Ernährung sollte auf ein optimiertes
Calcium/Phosphor- Verhältnis geachtet werden. Zufütterung
von Gelatine und/oder Muschelkalk (Canosan,Dogosan etc.) fördern
den Knochen und Knorpelaufbau und wirken den Verschleißerscheinungen
entgegen.
Wichtig ist auch ein warmer und trockener
Schlaf - und Liegeplatz, da Kälte und Nässe die
Beschwerden einer Arthrose fördern. Rotlichtbestrahlungen
und heiße Ölumschläge ( Vorsicht vor Verbrennungen!
) können die Therapie wirkungsvoll ergänzen. Die
Wärme regt den Stoffwechsel an und lindert die Schmerzen.
Meistens empfinden die Tiere eine Wärmebehandlung als
sehr angenehm, allerdings sollte bei einer entzündlichen
Phase mit großer Hitze und Schwellung nicht wärmebehandelt
sondern erst einmal medizinisch betreut werden.
Quelle arche-nienaber
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